Krampfadern an den Beinen: was sie sind, Symptome und was Sie tun können
Krampfadern sind erweiterte Venen unter der Haut, meist an den Beinen: Die Klappen in den Venen schließen nicht mehr dicht, das Blut staut sich, und die Venen dehnen sich aus. Hier lesen Sie, woran Sie die ersten Anzeichen erkennen, was es mit Besenreisern und Krampfadern im Becken auf sich hat, wie Krampfadern behandelt werden und was Ihren Beinen jeden Tag guttut.
Was sind Krampfadern?
Krampfadern (Varizen) sind erweiterte, verlängerte Venen unter der Haut, die sich schlängeln und Knoten bilden. Meist sind die Beine betroffen: Dort muss das Blut von unten nach oben zum Herzen fließen, gegen die Schwerkraft.
Dabei helfen ihm zwei Dinge. Das erste sind die Wadenmuskeln: Beim Gehen pressen sie die Venen zusammen und schieben das Blut nach oben, deshalb spricht man von der „Muskelpumpe“. Das zweite sind die Venenklappen: Sie lassen das Blut nur in Richtung Herz durch und schließen sich, damit es nicht zurückfließt.
Wird die Venenwand schwächer und schließen die Klappen nicht mehr dicht, sackt im Stehen ein Teil des Blutes wieder nach unten. Der Druck in den Unterschenkelvenen steigt, sie dehnen sich noch weiter, und die Klappen schließen noch schlechter. Hält dieser Stau über Jahre an, kommen Schwellungen und Hautveränderungen hinzu – Ärzte sprechen dann von chronischer Veneninsuffizienz.
Meist geht es Schritt für Schritt: zuerst Besenreiser und schwere Beine, dann erweiterte Venen und Knoten, später Schwellungen am Abend und nach Jahren eine dunkle, verhärtete Haut am Unterschenkel, in fortgeschrittenen Fällen ein offenes Bein (Ulcus cruris). Nicht jeder durchläuft alle Stufen: Viele haben über Jahre nur Besenreiser oder ein paar Krampfadern.
Krampfadern sind weit verbreitet, bei Frauen wie bei Männern. Und sie sind nicht nur eine Frage der Optik: Bleiben sie unbeachtet, können sie Komplikationen verursachen, die wir weiter unten beschreiben.
Symptome von Krampfadern: von Besenreisern bis zu Knoten
Krampfadern entwickeln sich langsam, und in den ersten Jahren hält man die Beschwerden leicht für gewöhnliche Müdigkeit. Achten Sie darauf, wenn:
- die Beine abends schwer werden und spannen, vor allem nach langem Stehen oder Sitzen, und es morgens wieder besser ist;
- die Knöchel gegen Abend anschwellen: Die Schuhe werden eng, das Sockenbündchen hinterlässt einen tiefen Abdruck;
- nachts Wadenkrämpfe auftreten;
- die Haut über den Venen juckt oder brennt oder es entlang einer Vene dumpf schmerzt;
- Besenreiser auftauchen – feine rote oder violette Äderchen wie ein Spinnennetz – und bläuliche Venen durch die Haut schimmern;
- Venen sich über die Haut wölben, geschlängelt und knotig: Im Stehen füllen sie sich prall, im Liegen fallen sie zusammen.
Sehen Sie sich Ihre Beine im Stehen bei Tageslicht an: die Innenseite von Oberschenkel und Unterschenkel, die Kniekehle, die Waden und die Knöchel. Vergleichen Sie dabei das rechte mit dem linken Bein. Bei Hitze, nach einem Flug oder nach einem langen Tag auf den Beinen spüren Sie alles stärker. Bleibt der Stau bestehen, wird die Haut am Unterschenkel mit der Zeit dunkler, trocken und schuppig; es kann ein Stauungsekzem entstehen und am Knöchel eine kleine Wunde, die sich lange nicht schließt.
Ähnliche Beschwerden haben auch andere Ursachen: Schwellungen an beiden Beinen können vom Herzen, von den Nieren oder von manchen Medikamenten kommen, Wadenschmerzen beim Gehen von verengten Arterien. Die Diagnose stellt deshalb der Arzt, nach einer Untersuchung und einem Ultraschall.
Warum Krampfadern entstehen: die Risikofaktoren
Eine einzige Ursache gibt es nicht: Meist kommen Veranlagung und Belastung der Venen zusammen.
| Faktor | Warum er wichtig ist | Was Sie tun können |
|---|---|---|
| Veranlagung | Schwache Venenwände und Klappen liegen oft in der Familie | Schon bei ersten Anzeichen zum Arzt gehen, nicht erst, wenn sich Knoten zeigen |
| Weibliches Geschlecht, Schwangerschaft | Hormone machen die Venenwand nachgiebiger; in der Schwangerschaft steigen die Blutmenge und der Druck auf die Beckenvenen | Den Arzt nach Kompressionsstrümpfen für die Schwangerschaft fragen |
| Alter | Mit den Jahren nutzen sich Klappen und Venenwände ab | Mehr zu Fuß gehen, auf das Gewicht achten |
| Arbeit im Stehen oder Sitzen | Die Wadenmuskelpumpe hat kaum etwas zu tun, das Blut staut sich | Pausen machen, sich auf die Zehenspitzen stellen, spazieren gehen |
| Übergewicht | Erhöht den Druck in den Venen von Beinen und Becken | Schrittweise abnehmen und sich dabei mehr bewegen |
| Frühere tiefe Venenthrombose | Das Gerinnsel kann die Venenklappen beschädigt haben | Sich regelmäßig beim Gefäßspezialisten vorstellen |
Hitze, lange Saunagänge und heiße Bäder weiten die Venen – mit Krampfadern fühlen sich die Beine danach oft schwerer an.
In der Schwangerschaft erweitern sich bei vielen Frauen die Venen an Beinen und Leiste. Nach der Geburt bilden sie sich oft innerhalb einiger Monate zurück. Eingriffe an den Venen werden deshalb meist auf die Zeit nach Schwangerschaft und Stillzeit verschoben; bis dahin tragen Sie die Kompressionsstrümpfe, die Ihr Arzt ausgewählt hat.
Krampfadern im Becken: was das ist und woran man sie erkennt
Krampfadern im Becken (Beckenvarizen) sind erweiterte Venen im kleinen Becken, vor allem die Eierstockvenen und die inneren Beckenvenen. Sie kommen am häufigsten bei Frauen vor, die schon Kinder geboren haben, und treten nicht selten zusammen mit Krampfadern an den Beinen auf.
Das wichtigste Anzeichen ist ein ziehender, dumpfer Schmerz im Unterbauch und im Kreuz, der über Monate anhält. Er wird abends stärker, nach langem Stehen, beim und nach dem Geschlechtsverkehr und vor der Periode; im Liegen lässt er nach. Manche Frauen bemerken erweiterte Venen an den Schamlippen, am Damm, an der Innenseite der Oberschenkel und am Po. Wird die Quelle im Becken nicht gefunden, können solche Krampfadern an den Beinen selbst nach einer Entfernung wiederkommen.
Schmerzen im Becken haben viele andere mögliche Ursachen, etwa Endometriose, Entzündungen oder Zysten. Die erste Adresse ist deshalb die frauenärztliche Praxis. Erweiterte Venen zeigt ein Doppler-Ultraschall, oft über die Scheide; manchmal ist ein CT oder MRT nötig. Bestätigen sich die Varizen und sind wirklich sie die Ursache der Schmerzen, kann ein Gefäßchirurg oder interventioneller Radiologe sie über einen kleinen Einstich von innen verschließen – das nennt man Embolisation.
Bei Männern heißt eine ähnliche Erweiterung der Venen im Hodensack Varikozele; dafür ist der Urologe zuständig.
Wie Krampfadern untersucht und behandelt werden
Der erste Weg führt meist zum Hausarzt: Er sieht sich die Beine an und überweist Sie zum Phlebologen (Venenarzt) oder Gefäßchirurgen. Dort werden Sie gefragt, wann die Beine schlimmer sind, ob Sie schwanger waren oder schon eine Thrombose hatten, ob Krampfadern in der Familie vorkommen und welche Medikamente Sie einnehmen, auch hormonelle. Dann werden die Beine im Stehen untersucht. Die wichtigste Untersuchung ist der Duplex-Ultraschall der Venen. Er zeigt, welche Klappen Blut zurückfließen lassen, ob die tiefen Venen frei durchgängig sind und ob sich darin Gerinnsel befinden. Das tut nicht weh und braucht keine Vorbereitung.
Die Behandlung richtet sich nach dem Ultraschall und Ihren Beschwerden:
- Kompressionsstrümpfe – Kniestrümpfe oder lange Strümpfe mit genau abgestuftem Druck. Kompressionsklasse und Größe werden nach den Maßen Ihrer Beine gewählt, angepasst werden die Strümpfe in der Apotheke oder im Sanitätshaus. Ziehen Sie sie morgens an, bevor die Beine anschwellen. Bei Durchblutungsstörungen in den Beinarterien kann Kompression gefährlich sein, deshalb tastet der Arzt vorher die Pulse an den Füßen.
- Verschluss der Vene von innen mit Laser oder Radiowellen (endovenöse Verfahren) oder mit medizinischem Kleber. Das geschieht unter örtlicher Betäubung; nach Hause gehen Sie meist noch am selben Tag.
- Sklerotherapie (Verödung) – in die Vene wird ein Mittel gespritzt, oft als Schaum, das sie verklebt. So werden Besenreiser, kleine Venen und Krampfadern beseitigt.
- Operation, bei der die Vene entfernt wird – wenn andere Verfahren nicht infrage kommen.
- Venenmittel kann der Arzt empfehlen, um Schweregefühl und Schwellungen zu lindern. Bereits erweiterte Venen bilden sie nicht zurück.
Stören die Venen nur optisch, lässt sich ein Eingriff in Ruhe planen. Bei Schwellungen, Hautveränderungen oder einer früheren Venenentzündung sollten Sie die Behandlung dagegen nicht aufschieben. Krampfadern verschwinden nicht von selbst, aber die Behandlung lindert die Beschwerden und senkt das Risiko von Komplikationen. Nach dem Eingriff sind Bewegung und, falls verordnet, Kompressionsstrümpfe wichtig: Mit der Zeit können sich andere Venen erweitern.
Was tun bei Krampfadern? Das hilft den Beinen im Alltag
Was Sie zu Hause tun, lässt Krampfadern nicht verschwinden. Aber es nimmt den Beinen spürbar Schwere und Schwellung und hilft den Venen bei ihrer Arbeit.
- Gehen Sie jeden Tag zu Fuß. Gehen, Radfahren und Schwimmen bringen die Wadenmuskelpumpe in Schwung. Die WHO empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche.
- Machen Sie Pausen. Bei sitzender Arbeit stehen Sie jede Stunde auf; bei stehender Arbeit verlagern Sie das Gewicht von einem Bein aufs andere und wippen von den Zehenspitzen auf die Fersen.
- Legen Sie die Beine hoch. Legen Sie sich abends hin, die Beine auf einem Kissen höher als das Herz.
- Tragen Sie die Kompressionsstrümpfe, die Ihr Arzt verordnet hat, besonders auf Reisen, bei Hitze und bei der Arbeit.
- Achten Sie auf Ihr Gewicht und vermeiden Sie große Hitze an den Beinen.
- Tragen Sie bequeme Schuhe mit niedrigem, stabilem Absatz: Darin arbeitet die Wadenmuskulatur besser.
- Auf langen Reisen – im Flugzeug, im Bus, am Steuer – stehen Sie auf und gehen ein paar Schritte, wann immer es möglich ist. Kreisen Sie mit den Füßen, trinken Sie Wasser und schlagen Sie die Beine nicht übereinander.
- Pflegen Sie die Haut an den Unterschenkeln: Bei Blutstau wird sie trocken, reißt leicht und entzündet sich. Deshalb tut ihr tägliche Feuchtigkeitspflege gut.
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Wann Sie sofort zum Arzt müssen
Rufen Sie den Notruf 112, wenn plötzlich Atemnot, Brustschmerzen, die beim Einatmen stärker werden, Bluthusten, starkes Herzrasen oder eine Ohnmacht auftreten. Das können Zeichen einer Lungenembolie sein: Ein Blutgerinnsel aus einer Beinvene ist in die Lunge gelangt. Rufen Sie auch an, wenn eine Krampfader blutet und die Blutung nicht aufhört. Legen Sie sich bis dahin hin, lagern Sie das Bein höher als das Herz und drücken Sie ein sauberes Tuch fest auf die Wunde.
Noch am selben Tag zum Arzt – außerhalb der Sprechzeiten über den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117, in Österreich über die Gesundheitsnummer 1450 –, wenn:
- ein Bein plötzlich anschwillt, Wade oder Oberschenkel schmerzen und die Haut heiß, rot oder bläulich ist – so zeigt sich eine tiefe Venenthrombose;
- sich entlang einer Vene ein schmerzhafter, roter, harter Strang bildet – das Zeichen einer Venenentzündung (Thrombophlebitis), besonders wenn er am Oberschenkel in Richtung Leiste hochwandert;
- eine Krampfader geblutet hat, auch wenn die Blutung gestoppt werden konnte.
Bei Verdacht auf eine Thrombose reiben oder massieren Sie das Bein nicht. In den nächsten Tagen sollten Sie zum Arzt, wenn die Haut am Unterschenkel dunkel und hart geworden ist oder sich dort eine Wunde seit zwei Wochen nicht schließt.
Fragen und Antworten
Sind Krampfadern gefährlich?
Krampfadern selbst sind selten lebensbedrohlich, können aber mit den Jahren zu einer Venenentzündung, einer tiefen Venenthrombose, einem offenen Bein oder einer Blutung aus einem Venenknoten führen. Lassen Sie erweiterte Venen deshalb ärztlich ansehen, auch wenn sie nicht wehtun.
Sind Besenreiser schon Krampfadern?
Besenreiser sind die leichteste Form einer chronischen Venenerkrankung. Für die Gesundheit sind sie harmlos und werden nur auf Wunsch entfernt. Sind die Beine zusätzlich schwer und geschwollen, lassen Sie einen Ultraschall der Venen machen: Dahinter kann eine Vene mit undichten Klappen stecken.
Kann man Krampfadern ohne Operation loswerden?
Kompressionsstrümpfe, Bewegung und ein gesundes Gewicht lindern die Beschwerden, aber bereits erweiterte Venen verschwinden nicht von selbst. Die meisten Krampfadern werden heute ohne Schnitt verschlossen – mit Laser, Radiowellen, Kleber oder Verödung.
Welcher Arzt ist bei Krampfadern zuständig?
Der Phlebologe (Venenarzt) oder Gefäßchirurg. Beginnen können Sie beim Hausarzt: Er sieht sich die Beine an und überweist Sie zum Ultraschall und zum Facharzt. Bei Krampfadern im Becken ist die frauenärztliche Praxis die erste Anlaufstelle.
Darf man mit Krampfadern Sport treiben?
Ja, Bewegung tut den Venen gut: Gehen, Schwimmen, Radfahren, Nordic Walking. Ob schweres Krafttraining und Laufen bei ausgeprägten Krampfadern passen, besprechen Sie am besten mit Ihrem Venenarzt.